Das Währungspaar GBP/USD ist am Donnerstag ebenfalls im Eiltempo abgestürzt. Würde man Händler nach der wahrscheinlichsten Ursache für den Rückgang des Paares fragen, würden sie in jeder Hinsicht wohl richtig liegen. Natürlich gab es in der Nacht erneut eine Ansprache an die Nation durch den US-Präsidenten Donald Trump. Es ist schwer nachzuvollziehen, worin sich eine „Ansprache an die Nation“ eigentlich von einem normalen Interview oder einem Post in sozialen Medien unterscheidet, da der Hausherr des Weißen Hauses in allen drei Fällen dieselben widersprüchlichen Aussagen macht. In der vergangenen Nacht erklärte Trump zunächst, der Krieg im Iran könne in ein paar Wochen beendet sein, nur um unmittelbar danach zu versprechen, er werde „den Iran in Stücke schlagen“ und ihn in die Steinzeit zurückbomben. Der Markt witterte das gestiegene Risiko und eilte erneut in den Dollar.
Ehrlich gesagt könnte man den Artikel an dieser Stelle bereits beenden, denn viel mehr gibt es derzeit nicht zu sagen. Technische Faktoren spielen aktuell auf keinem Timeframe eine nennenswerte Rolle, vielleicht mit Ausnahme der sehr kurzen, auf denen Trader schlicht auf die durch den amerikanischen Präsidenten ausgelösten intraday Stimmungsumschwünge reagieren. Der fundamentale und makroökonomische Hintergrund steht seit etwa anderthalb Monaten „am Spielfeldrand“. Am Dienstag und Mittwoch sahen wir einen kräftigen Anstieg des Paares, am Donnerstag dagegen einen Einbruch. Am Freitag könnte Trump neue Äußerungen machen, die die meisten Menschen erneut schockieren, und zusätzlich werden in den USA wichtige Non-Farm-Payrolls und Arbeitslosenzahlen veröffentlicht.
Der Abwechslung halber wenden wir uns den Konjunkturdaten zu. Die Arbeitslosenquote in den USA wird für März auf 4,5 % geschätzt, während die Zahl der neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft nur bei 50.000 bis 60.000 liegen soll. Wir möchten Händler an zwei wichtige Punkte erinnern. Erstens: Ein Zuwachs von lediglich 50.000 bis 60.000 neuen Stellen bedeutet für die amerikanische Wirtschaft so gut wie nichts. Damit die Arbeitslosenquote nicht steigt, benötigt die Wirtschaft monatlich 150.000 bis 200.000 neue Jobs. Die Arbeitslosigkeit nahm sogar unter Joe Biden zu, als die Non-Farm-Payrolls im Durchschnitt um 120.000 bis 150.000 Stellen pro Monat wuchsen. Vor diesem Hintergrund sind 50.000 bis 60.000 kaum der Rede wert.
Allerdings wird der Markt nicht auf die absolute Zahl reagieren, sondern auf das Verhältnis zwischen tatsächlichem Wert und Prognose. Sehen wir heute also einen Wert von 70.000 bis 80.000, könnte das bereits ausreichen, um den Dollar wieder steigen zu lassen. Es ist paradox. Die amerikanische Wirtschaft könnte in ernsthaften Schwierigkeiten stecken, doch der Markt bewertet nicht das reale Ergebnis, sondern seine Übereinstimmung mit den eigenen Erwartungen.
Was lässt sich noch sagen? Die Bewegung des Paares lässt sich derzeit höchstens auf Sicht eines Tages halbwegs abschätzen, und man kann nur hoffen, dass Donald Trump während der Laufzeit einer offenen Position keinen neuen Post auf Truth Social absetzt oder sich aus der Regierungsmaschine heraus äußert. Der Konflikt im Nahen Osten ist weiterhin weit davon entfernt, beendet zu sein.

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares GBP/USD in den letzten fünf Handelstagen mit Stand 3. April beträgt 113 Pips, was als „hoch“ gilt. Am Freitag, dem 3. April, erwarten wir eine Bewegung des Paares innerhalb einer Spanne, die durch die Marken 1,3121 und 1,3347 begrenzt ist. Der obere Kanal der linearen Regression hat nach unten gedreht, was auf eine Trendwende hindeutet. Der CCI-Indikator ist zweimal in den überverkauften Bereich eingetreten und hat zudem eine „bullische“ Divergenz ausgebildet, was erneut auf ein mögliches Ende des Abwärtstrends hinweist. Allerdings überwiegt derzeit die Geopolitik gegenüber den technischen Signalen.
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