Was uns nicht umbringt, macht uns stärker. Man könnte meinen, die Nachricht über einen Zusammenbruch der Gespräche zwischen den USA und dem Iran hätte den Euro k. o. geschlagen. Der Markt hätte zum alten Narrativ zurückkehren können: den US-Dollar als sicheren Hafen und als Währung eines Nettoenergieexporteurs zu kaufen. Genau diese Kräfte hatten EUR/USD im März nach unten gedrückt. Doch je länger sich der Konflikt im Nahen Osten hinzieht, desto müder werden die Anleger gegenüber der Geopolitik.
Die International Energy Agency (IEA) warnte, dass die hohen Preise für Öl, Benzin und Diesel bereits von den Verbrauchern zu spüren sind. Die Agentur erklärte, dies berge das Risiko des ersten jährlichen Rückgangs der Rohölnachfrage seit 2020. Auf den ersten Blick schlechte Nachrichten für den Euro: Anhaltend hohe Brent-Preise würden die energieimportabhängige Eurozone belasten. Dennoch steigt EUR/USD.
Dynamik von Öl und EUR/USD
Die Situation ist tatsächlich paradox. MUFG Research schätzt, dass eine Rally von 40 % beim Ölpreis seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten den wichtigsten Währungskurs eigentlich um mindestens 3 % hätte drücken müssen. Stattdessen ist EUR/USD auf das Vorkriegsniveau zurückgekehrt. Das Haus führt dies auf eurofreundliche Faktoren wie eine auseinanderlaufende Geldpolitik und einen Anstieg der globalen Risikobereitschaft zurück.
Tatsächlich trug Donald Trumps Aussage, er habe einen Anruf aus dem Iran erhalten, dazu bei, dass der S&P 500 auf sein Vorkriegsniveau zurückkehrte. Anleger kaufen derzeit das Gerücht eines Friedens im Nahen Osten, in der echten Hoffnung, dass vor dem 21. April, dem Ablauf der zweiwöchigen Waffenruhe, Anschlussgespräche stattfinden. Berichten zufolge ist die Schweiz diesmal bereit, als Vermittler aufzutreten.
Der US-Präsident erklärte, man habe bei den meisten Punkten einen Kompromiss gefunden, mit Ausnahme der Schlüsselfrage – dem iranischen Atomprogramm. Laut einem Insider von Bloomberg wollten die Amerikaner dieses für 20 Jahre einfrieren, während der Iran nur eine fünfjährige Stilllegung anstrebte. Befürworter sind zu neuen Gesprächen bereit, was sowohl die globale Risikobereitschaft als auch EUR/USD gestützt hat.

Das Währungspaar EUR/USD steht derzeit ganz im Zeichen von FOMO. Den Bullen kam zudem zugute, dass Spekulanten in der Woche bis zum 7. April ihre Netto-Long-Positionen im US-Dollar auf ein 14-Monats-Hoch ausgeweitet haben. Zwischen Liebe und Hass liegt nur ein schmaler Grat – massives Eindecken von Short-Positionen im Greenback hat für einen kräftigen Rückenwind beim EUR/USD gesorgt.
Aus technischer Sicht haben die Bullen auf dem Tageschart die Kurslücke zum Wocheneröffnungsstand rasch geschlossen und den Widerstand am Pivot-Level von 1,176 im Sturm genommen. Diese Marke fungiert nun als zentrale Unterstützung. Solange EUR/USD darüber notiert, bleibt die Tendenz auf der Long-Seite. Kursziele für Long-Positionen liegen bei 1,1830 und 1,1915.
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