Das Wellenmuster im 4‑Stunden‑Chart für EUR/USD hat einige Veränderungen erfahren. Es gibt nach wie vor keinen Grund, den seit Januar vergangenen Jahres laufenden Aufwärtstrendabschnitt (unterer Chart) für beendet zu erklären. Allerdings hat die Trendstruktur inzwischen einen korrektiven Charakter angenommen. Aus langfristiger Perspektive ist mit der Entwicklung der Welle C zu rechnen, deren Tief voraussichtlich unterhalb des Tiefs der Welle A liegen wird. Derzeit fällt es schwer, an einen derart deutlichen Rückgang des Euro zu glauben, aber das erste Quartal 2026 hat gezeigt, dass geopolitische Entwicklungen Markttendenzen drastisch verändern können.
Auf dem kleineren Zeitrahmen kann ich eine klassische dreiteilige bullische Korrekturstruktur erkennen. Nach Abschluss dieser Struktur begann sich ein neuer Abwärtsabschnitt zu entwickeln, der logischerweise die Form einer impulsiven Wellenfolge annehmen sollte. Trifft diese Annahme zu, ist im Rahmen der Welle C des höheren Grades mit der Ausbildung einer fünfteiligen Struktur zu rechnen, mit Zielen unterhalb der Marke von 1,1400. Gibt es ausreichende fundamentale Gründe, eine so starke Aufwertung des US-Dollars zu erwarten? Nicht mit völliger Sicherheit. Allerdings verliert der Markt zunehmend das Vertrauen in die Aussicht auf ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, was die Verkäufer stützt.
EUR/USD legte am Donnerstag um 15 Punkte zu, zeigte insgesamt aber erneut eine sehr enge Handelsspanne. Im Tagesverlauf lieferte die Rede von Christine Lagarde keine nennenswerten Informationen, woraus ich schließe, dass keine wichtigen Aussagen gemacht wurden. Zudem gab es erstmals seit langer Zeit keine geopolitischen Schlagzeilen weder von Trump noch aus dem Iran. Infolgedessen erlebten wir einen weiteren ereignisarmen Handelstag. Das Paar bildet weiterhin die korrektive Welle 4 aus, die die Gestalt einer Seitwärtsrange angenommen hat.
Die Aufmerksamkeit sollte sich jedoch heute Morgen auf den Nonfarm-Payrolls-Bericht und die US-Arbeitslosenquote richten. Noch vor wenigen Monaten waren diese Veröffentlichungen die wichtigsten Treiber der geldpolitischen Entscheidungen der Federal Reserve. Inzwischen hat jedoch die durch den Konflikt mit Trump im Nahen Osten angefachte Inflation die Führungsrolle übernommen. Da wir weiterhin von einem möglichen Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran hören, ohne konkrete Ergebnisse zu sehen, könnten sich die Bedingungen an den Märkten für Öl, Gas und Treibstoff im Zeitverlauf weiter verschlechtern. Dies könnte eine neue Runde inflationsgetriebener Aufwärtsbewegungen auslösen. Folglich dürfte die Federal Reserve in naher Zukunft den Fokus stärker auf die Inflationsdynamik als auf die Lage am Arbeitsmarkt legen. Daher sind die heutigen Veröffentlichungen nicht mehr so wichtig wie noch vor einigen Monaten.
Dennoch können sie nicht als zweitrangig eingestuft werden. Der US-Arbeitsmarkt hat sich im Verlauf des Jahres 2026 erholt, wenn auch nicht vollständig. Sollte die Federal Reserve beginnen, die Zinsen anzuheben, könnte das eine erneute Phase der wirtschaftlichen Abkühlung auslösen. Aus diesem Grund zögert der Regulator, die Geldpolitik zu straffen, obwohl die Inflation in den vergangenen zwei Monaten um 1,4 Prozentpunkte gestiegen ist. Ein solcher Schritt könnte die Arbeitsmarktlage erneut verschlechtern und das Wirtschaftswachstum bremsen. Allerdings könnte die Federal Reserve zu Zinserhöhungen gezwungen sein, falls die Inflation weiter anzieht. Der US-Inflationsbericht für Mai wird am kommenden Mittwoch veröffentlicht.
Auf Basis meiner EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Ergebnis, dass das Paar sich weiterhin innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrendabschnitts (unterer Chart) und kurzfristig innerhalb einer Korrekturstruktur befindet. Derzeit könnte sich Welle 5 ausbilden, möglicherweise als Teil der Welle C. Die gesamte Struktur der Welle C (sofern die aktuelle Zählung korrekt ist) könnte letztlich deutlich unterhalb des Niveaus von 1,1400 enden. Ein derart ausgeprägter Rückgang würde jedoch eine erhebliche geopolitische Unterstützung erfordern. Andernfalls könnte sich die bärische Wellenfolge verkürzen und nur geringfügig unterhalb der Marke von 1,1600 enden.
Auf dem höheren Zeitrahmen ist weiterhin ein Aufwärtstrendabschnitt zu erkennen, auf den die Bildung einer korrektiven Wellenstruktur folgte. Kurzfristig ist mit der Entwicklung der Welle C zu rechnen, mit Zielen im Bereich von 1,1352, was dem 38,2-%‑Fibonacci‑Retracement‑Level entspricht. Nach Abschluss der A‑B‑C‑Struktur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse:
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