Das Währungspaar EUR/USD zeigte sich am Dienstag über weite Strecken des Tages sehr ruhig. Bereits zum Ende des Montags konnte man nicht mehr behaupten, dass der Markt wegen der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten erneut in einen Schockzustand verfallen wäre. Der US-Dollar hat sich zwar verstärkt, aber in welchem Ausmaß? Um ein paar Dutzend Pips? Die Gesamtvolatilität lag am Montag bei etwa 60 Pips – ein durchschnittlicher Wert, der eher im unteren Bereich anzusiedeln ist. Daraus lässt sich sofort der naheliegende Schluss ziehen: Der Markt hat den geopolitischen Faktor nicht vollständig abgeschrieben, doch sein Einfluss auf den Devisenmarkt nimmt weiter ab. Darüber sprechen wir allerdings nun schon seit mehreren Wochen. Der Markt ist nicht mehr bereit, auf jede einzelne Meldung, jede abgefeuerte Rakete im Nahen Osten und jedes „Insider“-Gerücht über Verhandlungen zwischen Iran und den USA zu reagieren. Man muss sich fragen: Wenn der Konflikt noch weitere fünf Jahre andauert, werden die Märkte die ganze Zeit ausschließlich auf Grundlage geopolitischer Faktoren handeln? Schließlich wird der makroökonomische Hintergrund weiterhin ignoriert ...
In der Regel reagiert der Markt in solchen Situationen nur auf den Ausbruch des Konflikts und danach nur noch auf die wichtigsten Ereignisse, die zwangsläufig Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Und mittlerweile sind Ölpreise von 120 US-Dollar längst in allen Märkten eingepreist. Die Schließung der Straße von Hormus ist von den Märkten ebenfalls schon längst berücksichtigt worden. Militärische Auseinandersetzungen und die Zerstörung von Öl- und Gasinfrastruktur sind von den Märkten ebenso bereits verarbeitet worden. Jeder, der vor dem Nahen Osten fliehen und sein Kapital über den Dollar in Sicherheit bringen wollte, hat das schon längst getan. Folglich gibt es für den Dollar keine Gründe mehr, bei jeder abgefeuerten Rakete und jeder zerstörten Anlage im Nahen Osten weiter zuzulegen.
Sollte der Konflikt natürlich weiter eskalieren und großflächig werden, dürfte der Dollar sich vermutlich stärken. Verschlechtert sich die Lage noch stärker als ohnehin schon, könnte der Ölpreis auf 200 US-Dollar je Barrel steigen, und ein weiteres Dutzend Länder könnte in den Konflikt hineingezogen werden. Ein solches Szenario lässt sich nicht völlig ausschließen. Unter den aktuellen Umständen sehen wir jedoch weder Anzeichen für eine Zuspitzung des Konflikts noch Signale für eine mögliche Lösung.
Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington wirken wie ein Wortspiel. Wie alles, was mit Amerika zu tun hat, seit Donald Trump zum zweiten Mal das Präsidentenamt übernommen hat. So kündigte Trump zum Beispiel erst am Montag an, die Zölle für die Europäische Union anzuheben, die viel zu lange gebraucht hat, um ein Handelsabkommen mit Zöllen auf europäische Waren zu ratifizieren, das der Oberste Gerichtshof der USA offiziell für rechtswidrig erklärt hat. Trump kümmert sich jedoch nicht um die Entscheidung irgendeines Gerichts. Das Abkommen mit der EU ist ausgehandelt, und nun will Brüssel aussteigen, in der durchaus berechtigten Annahme, dass es sinnvoll wäre, die Bedingungen des Abkommens neu zu verhandeln, wenn die Zölle illegal sind. Wie Trump die Zölle für die EU auf 25 % anheben will, wenn er sie rechtlich maximal auf 15 % festsetzen kann, ist unklar. Vermutlich ist aber inzwischen allen klar, dass Trump so handeln wird, wie er es für richtig hält. Ob diese Entscheidungen rechtmäßig sind, kümmert ihn schon lange nicht mehr. Im Ernst: Der Supreme Court hat Trumps Zölle für rechtswidrig erklärt – und was ist passiert? Hat der US-Präsident Verantwortung für sein Handeln übernommen? Nein. Hat die US-Regierung der amerikanischen Öffentlichkeit 150 Milliarden US-Dollar an unrechtmäßig erhobenen Abgaben zurückerstattet? Nein. Folglich können jederzeit neue Zölle eingeführt und Einnahmen erzielt werden. Und wenn sie später vom Gericht kassiert werden, ist das kein großes Problem. Dann können einfach neue Zölle eingeführt werden.

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten 5 Handelstagen beträgt zum 6. Mai 69 Pips und ist damit als „durchschnittlich“ einzustufen. Wir erwarten, dass sich das Paar am Mittwoch in einer Spanne zwischen 1,1633 und 1,1771 bewegt. Der obere lineare Regressionkanal hat nach unten gedreht, was auf einen Trendwechsel hin zu einem bärischen Szenario hindeutet. Allerdings könnte sich der Aufwärtstrend seit 2025 tatsächlich fortsetzen. Der CCI-Indikator ist in die überkaufte Zone eingetreten und hat zwei „bärische“ Divergenzen ausgebildet, was auf eine bevorstehende Abwärtskorrektur hindeutet.
S1 – 1,1658
S2 – 1,1597
S3 – 1,1536
R1 – 1,1719
R2 – 1,1780
R3 – 1,1841
Das Währungspaar EUR/USD befindet sich weiterhin in einem Aufwärtstrend, begünstigt durch den nachlassenden geopolitischen Einfluss auf die Marktstimmung und sinkende geopolitische Spannungen. Das globale fundamentale Umfeld für den Dollar bleibt äußerst negativ, weshalb wir langfristig weiterhin mit einem Anstieg des Paares rechnen. Befindet sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt, können auf technischer Basis Short-Positionen mit Zielen bei 1,1658 und 1,1633 in Erwägung gezogen werden. Oberhalb der gleitenden Durchschnittslinie sind Long-Positionen mit Kurszielen bei 1,1780 und 1,1841 relevant. Der Markt entfernt sich weiter von geopolitischen Faktoren, und der Dollar verliert damit seinen einzigen Wachstumstreiber.
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