NZD/USD fällt bereits die zweite Woche in Folge und nähert sich allmählich der Untergrenze der 0,59er-Marke. Bemerkenswert ist, dass diese Bewegung weniger auf einen starken Dollar als vielmehr auf eine Schwäche des Kiwi zurückzuführen ist. Der US-Dollar-Index schwankt in einer relativ engen Seitwärtsrange, was die Zurückhaltung der Händler im Vorfeld eines umfangreichen US-Datenblocks unterstreicht, zu dem ISM, JOLTS, ADP und NFP gehören. NZD/USD verliert daher in erster Linie aufgrund der Schwäche des neuseeländischen Dollars.
Händler befürchten, dass die Reserve Bank of New Zealand auf ihrer morgigen Sitzung am 2. September einen sogenannten „dovish hike“ liefern wird. Mit anderen Worten: Die RBNZ wird die Zinsen anheben, dabei aber gleichzeitig einen vorsichtigen Ton anschlagen und betonen, dass weitere Straffungen vollständig von den eingehenden Daten abhängen.
Dieses Szenario spiegelt die „hawkish pause“ aus dem Mai wider. Damals beließ die Zentralbank den OCR bei 2,25 %, doch die Entscheidung fiel sprichwörtlich auf Messers Schneide: Drei Mitglieder des Ausschusses stimmten für eine Erhöhung um 25 Basispunkte, drei für eine unveränderte Geldpolitik. Die Stichentscheidsstimme des Gouverneurs sprach sich für eine Pause aus. Zugleich nahm die Zentralbank eine „hawkishe“ Rhetorik an und erklärte, dass die Zinsen im Laufe des Jahres wahrscheinlich steigen müssten – und zwar stärker als zuvor erwartet.
Im Juli setzte die RBNZ diese „hawkischen“ Absichten um und erhöhte den Leitzins auf 2,5 %. Allerdings fiel die Sprache in der begleitenden Erklärung bereits deutlich vorsichtiger aus. Die Geldpolitiker stellten fest, dass nach der teilweisen Wiedereröffnung der Straße von Hormus die weltweiten Ölpreise stark gefallen seien und damit auch die kurzfristigen Inflationsrisiken zurückgegangen seien.
Dennoch bleibt das Hauptargument für eine weitere Anhebung am 2. September die Inflation. Die jährliche Teuerung (CPI) beschleunigte sich im zweiten Quartal von 3,1 % auf 4,1 %, erreichte damit ein 2,5‑Jahres‑Hoch und übertraf sowohl die RBNZ‑Prognose von 3,9 % als auch die Obergrenze des Zielkorridors der Zentralbank von 1–3 %. Das Preiswachstum im Quartalsvergleich lag bei 1,5 %. Allerdings ist die Struktur dieser Beschleunigung entscheidend. Die Preise für handelbare Güter stiegen im Jahresvergleich um 4,9 %, während die Inflation bei nicht handelbaren Gütern auf 3,4 % sank – den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Ein wesentlicher Teil der Beschleunigung der Gesamtinflation ist auf Treibstoff zurückzuführen: Benzin verteuerte sich um 27,5 %, Diesel um 71,1 %. Der CPI ohne Nahrungsmittel, Haushaltsenergie und Kraftstoffe stieg dagegen nur um 2,5 %. Mit anderen Worten: Ein großer Teil des Inflationsschubs spiegelt einen externen Energieschock wider und nicht einen außer Kontrolle geratenen binnenwirtschaftlichen Preisdruck.
Das ist eine wichtige Nuance für die kommende Sitzung. Einerseits wirkt eine Zinserhöhung im September nahezu vorprogrammiert, gemessen an den „hawkischen“ Signalen der RBNZ und der Entwicklung der Gesamtinflation im zweiten Quartal. Andererseits ist der weitere Zinsverlauf darüber hinaus deutlich weniger klar. Die schwache Binnennachfrage bleibt ein ernstes Hemmnis für die RBNZ. Nach den jüngsten Daten sanken die realen Einzelhandelsumsätze im zweiten Quartal um 0,5 %, nachdem sie im vorherigen Berichtszeitraum um 0,9 % gestiegen waren. Rückgänge wurden in 8 von 15 Branchen verzeichnet, besonders stark bei Kraftstoffverkäufen (-13 %), Kfz‑Waren (-2,3 %), Beherbergungsdienstleistungen (-8 %) und Gastronomiedienstleistungen (-2,8 %).
Ein weiteres Argument für Vorsicht ist der Arbeitsmarkt Neuseelands. Die Arbeitslosenquote stieg im zweiten Quartal auf 5,6 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 2015. Die Beschäftigung nahm um 0,5 % zu, während die Unterauslastungsquote auf fast 14 % kletterte und nun bei 13,8 % liegt. Das jährliche Lohnwachstum betrug lediglich 2,0 % und liegt damit deutlich unter der aktuellen Inflationsrate. Insgesamt deutet die Struktur der Daten nicht auf einen überhitzten Arbeitsmarkt hin.
Mit anderen Worten: Die neuseeländische Wirtschaft erhält einen Inflationsimpuls, dieser wird jedoch weitgehend über die Energiepreise importiert, während der binnenwirtschaftliche Preisdruck deutlich schwächer bleibt.
Schließlich verschaffen die Inflationserwartungen der RBNZ zusätzlichen Spielraum für einen vorsichtigen Kurs. In der August‑Umfrage der Zentralbank sanken die einjährigen Inflationserwartungen von 3,41 % auf 2,6 %, und die Zweijahreserwartungen gingen von 2,53 % auf 2,34 % zurück. Die Inflationserwartungen der Unternehmen für das kommende Jahr fielen ebenfalls, von 3,68 % auf 2,99 %. Die nachlassenden Inflationserwartungen geben der Zentralbank klarerweise mehr Flexibilität, weniger aggressiv vorzugehen. Wenn Unternehmen und Verbraucher damit rechnen, dass sich das Preiswachstum verlangsamt, sinkt das Risiko einer Lohn‑Preis‑Spirale deutlich.
In der Summe wirkt das fundamentale Bild widersprüchlich. Die Inflation zwingt die Zentralbank zum Handeln, während Schwächen am Arbeitsmarkt und bei der Konsumnachfrage den Spielraum für weitere Straffungen begrenzen. Das wahrscheinlichste Ergebnis der Septembersitzung ist daher eine Erhöhung des OCR um 25 Basispunkte auf 2,75 %, begleitet von vorsichtigeren Signalen für den weiteren Kurs. Die RBNZ wird voraussichtlich bestätigen, dass weitere Zinserhöhungen möglich bleiben, gleichzeitig aber betonen, dass ihre Entscheidungen von den eingehenden Daten abhängen.
Ein solches Szenario dürfte auf den neuseeländischen Dollar und damit auf NZD/USD lasten. Die Tatsache einer Zinserhöhung ist weitgehend eingepreist, sodass der Kiwi zusätzliche „hawkische“ Kommentare benötigt, um sich zu stärken. Wird die Anhebung von „dovishen“ Signalen begleitet, gerät der neuseeländische Dollar erheblich unter Druck. In diesem Fall werden Verkäufer im NZD/USD nicht nur die Unterstützung bei 0,5900, dem mittleren Bollinger‑Band im Tageschart, unterschreiten, sondern auch die nächsten Kursbarrieren bei 0,5870, der Kijun‑sen‑Linie auf D1, und 0,5830, dem unteren Bollinger‑Band im gleichen Zeitrahmen, testen.
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